Bier gibt es schon seit mehreren Jahrtausenden weltweit und es ist bei uns erst seit kurzem ein Hopfenbier. Das Getränk kennzeichnet sich dadurch aus, dass stärkehaltiges Pflanzenmaterial, wie Getreide, Wurzeln und der gleichen, erst verzuckert werden muss, was den Unterschied zum Wein macht, welcher immer eine Grundlage hat, wie z.B. Früchte oder Honig, die sofort vergären kann. Es gab einmal eine hohe Vielfalt, auch innerhalb von Deutschland an besonderen Bieren. Die Zusätze machten das Bier zum Liebestrunk, zur Medizin oder zum Rauschmittel. Da stellt sich die Frage, warum Bier jetzt nur noch als Hopfenbier verstanden wird.

Vor allem Mönche brauten mit Hopfen und entwickelten damit eine immer bessere Qualität, weil sie auch Lesen und Schreiben konnten und dadurch, durch wissenschaftliches Arbeiten, den Geschmack, die Haltbarkeit und die Rauschwirkung stätig erhöhen konnten. Sie verwendeten Hopfen, zum einen wegen seiner beruhigenden und anaphrodischen Wirkung und zum anderen, weil Hopfen gegen alle grampositiven Bakterien wirkt – sprich gegen alle Keime, die im Bier leben können.

Wie kam es zum Reinheitsgebot oder besser gesagt “vorläufiges Biergesetz”? Da gibt es viele Faktoren, die damit zusammenhängen:

  • Zum einen sollte nur Gerste zum Brauen verwendet werden, weil Weizen zu wertvoll war, um damit Bier zu brauen, da es keine angewachsene Spelze hat, wie Gerste. Gerste ist als Kulturpflanze auch anspruchsloser, als Weizen.
  • Zum anderen lag das Jahr 1516  in der Hauptzeit der Hexenverbrennung. Mit dem Verbot der typischen Rauschmittel in den Bieren mit Tollkirsche, Bilsenkraut, Alraune, Schlafmohn, Fliegenpilzen und weiteren berauschenden Bestandteilen legte die Inquisition den “Hexen” das Handwerk. Im korrekten Kontext und in der passenden Dosis wurden und werden viele Pflanzen und Pilze weltweit als Heilmittel eingesetzt. Falsch eingesetzt gab es natürlich auch tödliche Vorfälle, weswegen das Gesetz auch Sinn machte.
  • Auch war Bier das wichtigste Grundnahrungsmittel in der Vergangenheit. Wasser war in vielen Gegenden wegen Fäkalien, vergrabenen Leichen und Abfällen gesundheitsgefährdend, deshalb brauchte es den Brauvorgang, um das kostbare Nass wieder trinkbar zu machen. Bier war damals ein tägliches essentielles Grundnahrungsmittel, deshalb war es wichtig, dass hier nicht gepanscht wurde.
  • … (bestimmt noch unvollständig)

Kurz nach dem vorläufigen Biergesetz von 1516 (Der Begriff “Reinheitsgebot” wurde erstmals am 04. März 1918 von Hans Rauch verwendet. Quelle: http://reinheitsgebot.de/startseite/reinheitsgebot/mythen/) war aber schon wieder Koriander, Wacholder und Lorbeer erlaubt als Bierzusatz und später noch weitere pflanzliche Zusätze!

Seit einigen Jahrzehnten hat die deutsche Brauerbranche das vorläufige Biergesetz als Marketingstrategie entdeckt und es zu einem göttlich klingeden Gebot auserkoren. (mehr Infos? Klicke > hier < oder recherchiere selber) Anhand dieser Tatsachen möchten wir uns nicht auf das “Reinheitsgebot” beschränken und möchten einem viel hörerem Gebot, dem Artikel 151 der bayerischen Verfassung dienen. “Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl” Das drückt viel klarer aus, dass die Zutaten aus fair gehandelten und ökologischen Quellen stammen, denn z.B. innerhalb des Reinheitsgebots darf sogar undeklariert Plastik (PVPP) verwendet werden, um bestimmte “unedel” schmeckende Polyphenole rausfiltern zu können, was auch die Haltbarkeit verlängert.  Deshalb: Gemeinwohlgebot statt Reinheitsgebot!